Psychotherapie und wie ich darüber denke.

Für viele Menschen verbindet sich das Wort Psychotherapie noch immer eng mit dem Begriff der Psychiatrie. Klinische Psychologen und Psychotherapeuten differenzieren sich von Psychiatern entscheidend durch ihre Therapieansätze. Eine gravierende Abweichung dürfte dabei wohl die medikamentenfreie Therapie durch Psychologen oder Psychotherapeuten sein.
In Fällen, bei denen es sich um den Verlust der Selbststeuerung von Menschen handelt, ist eine medikamentenunterstützte Therapie dennoch notwendig. Ich arbeite deshalb in diesen Fällen eng mit den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Psychotherapie grenzt sich von der Psychiatrie jedoch insbesondere dadurch ab, dass der Begriff des Krankseins für einen Psychotherapeuten eine andere Bedeutung hat, als bei einem Arzt. Normalerweise spricht ein Psychotherapeut nicht von Krankheit, sondern von Befindlichkeitsstörungen oder von entsprechenden Persönlichkeitsbeeinträchtigungen. Die Grenzen sind dabei fließend. Hintergrund ist das Konzept der Selbstverantwortung und der Selbstheilungskräfte.

Ein zweites Vorurteil gegen die Psychotherapie bezieht sich auch heute noch auf ein historisches Relikt, der berühmten Couch. Dieses wohl unzerstörbare Vorurteil geht zurück auf den Großvater der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Der Anteil der Klienten, die sich heute noch auf die Couch legen, wird gefühlt immer weniger und bei mir hat es dies noch nie gegeben.

Wozu diese einleitenden Worte?

Zum einen, weil ich ein klinischer Psychologe und Psychotherapeut bin, also Diplom-Psychologe und kein Arzt. Zum anderen, weil ich ein tiefenpsychologisch und verhaltenstherapeutisch orientierter Psychotherapeut bin. Pauschal gesagt, geht die Tiefenpsychologie von einem Konstrukt aus, wonach die aktuellen Konflikte und Probleme eines Klienten ihre Ursache in nichtbewältigten Vergangenheitsgeschichten haben. Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie spricht hier von offenen Gestalten oder von offenen Rechnungen. Diese gilt es zu bearbeiten.

Ein moderner Psychotherapeut versteht sich im Allgemeinen nicht mehr als ein Vertreter einer speziellen Schule, sondern integriert die positiven Methoden und Denkansätze unterschiedlicher Disziplinen. So bieten z.B. verhaltenstherapeutische Verfahrensweisen hilfreiche Unterstützungsansätze in der Bewältigung von Alltagsproblemen oder z.B. bei der Bewältigung von Phobien.
Von daher habe ich meine Aus- und Weiterbildung immer an einem weiten Methodenspektrum orientiert.

Statistische Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass eine Zunahme der psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten im Gegensatz zu anderen Erkrankungen überzufällig ist. Dabei handelt es sich nicht nur um eine stetige Zunahme der Volkskrankheit Nr.1, der Depression (bis hin zum Suizid), sondern auch der Ängste (Phobien), der Suchterkrankungen inkl. der Essstörungen, der Zwangserkrankungen, der neurotischen Persönlichkeitsbeeinträchtigungen und / oder der Fragen nach der persönlichen Lebensgestaltung, wie z.B. Ablösungsprobleme.

Häufig genug löst dabei ein verstörtes Mitglied eines Systems, z.B. der Familie, eine ganze Kette von weiteren Problemen aus. Dafür gibt es viele Gründe. Ein wesentlicher Grund dürfte, neben der persönlichen Themenstellung, in der wie auch immer definierten gesamtgesellschaftlichen Situation liegen.

Nun ist Psychotherapie beileibe kein Heilmittel, um gesellschaftliche Ursachen zu beseitigen. Die berühmte schwere Kindheit kann Therapie auch nicht mehr rückgängig machen.
Was aber möglich ist, ist eine intensive Auseinandersetzung mit sich und seinem Leben und dazu gehört natürlich auch das Lebensumfeld.

Hier ergeben sich dann auch immer wieder Schnittstellen zum Thema Coaching, denn der Beruf ist selbstverständlich ein wesentliches Element unseres Lebens, so oder so.
Wir können nicht die Welt verändern, aber uns. Darüber lohnt es sich nachzudenken und ein wenig mehr.

What´s my way? Wer bin ich? Wo will ich hin?
Was hindert mich, meinen Weg zu gehen? Was blockiert mich? Was kann ich tun?
In aller Simplizität sind dies die Kernfragen einer jeden Psychotherapie.
Nach meinem Verständnis steht am Ende einer Psychotherapie immer ein erwachsener selbstbestimmter und eigenständiger Mensch, der eine Idee für seinen Weg hat.

Ein zentrales und elementar wichtiges Thema ist in unserer heutigen Zeit die Frage nach der Gestaltung einer wie auch immer gearteten Beziehung zu einem anderen Menschen.
Sie haben eine Krise in ihrer Beziehung?
Der erste Schritt ist immer die Frage nach der eigenen Position.
Der zweite gilt dann der Frage: Du und ich? Was geht noch?
Fritz Perls sagte sinngemäß: Ich bin ich! (und) Du bist du!
Wenn wir gemeinsam ein Stück unseres Lebensweges gehen können, dann ist dies eine schöne Erfahrung.
Wenn wir uns trennen müssen, so ist dies sehr schmerzhaft, aber auch O.K.
Denn: Nur eins ist sicher: Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein wie du mich haben willst!

Wenn Sie dazu bereit sind und intensiv an sich und Ihren Konflikten und Problemen arbeiten wollen, dann rufen Sie mich an.
Nur denken Sie daran: es geht immer da lang, wo es weh tut und einfach ist schon mal gar nichts, denn sonst könnten wir es ja.

Das Prinzip der Vertraulichkeit ist dabei oberstes Gebot.
Psychotherapeuten unterliegen der gleichen Schweigepflicht wie zum Beispiel Ärzte und Rechtsanwälte.